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Das steckt hinter deiner Kuhmilch…

Als wir letztes Jahr im Allgäu Urlaub machten, sahen wir vermeintlich glückliche Kühe dort. Sie standen auf grünen Wiesen, hatten viel Auslauf und auf den ersten Blick machten die Tiere auf uns auch einen ganz glücklichen Eindruck.
Doch ließen wir uns davon vielleicht nur täuschen? Gibt es wirklich Milch von glücklichen Kühen? Was steckt hinter der Milchindustrie die weltweit agiert? Wie gut geht es den Kühen wirklich und verspricht die Milch wirklich was sie hält? Ist Milch gesund oder Teufelszeug?
Was wir für diesen Beitrag herausgefunden haben, erschütterte uns nachhaltig. Doch fangen wir einfach mal von vorne an…

Wie gesund und natürlich ist Kuhmilch überhaupt?

Das wohl größte Problem unserer Recherche waren die zum Teil widersprüchlichen Studien zum Thema Milch. In vielen Studien zeigt sich Milch als echte Wunderwaffe, in anderen Studien hingegen schneidet die Milch als Teufelszeug ab. Ein eindeutiges Fazit gibt es zu der Vielzahl an Studien leider nicht und es ist auch ziemlich schwer, sich hieraus seine eigene Meinung zu bilden. Doch wieso scheint es zwei Wahrheiten hinter dem Thema Milch zu geben?
Die Werbung erzählt uns doch seit Jahrzehnten von den guten Eigenschaften der Milch, wie z.B. dem positiven Effekt für die Knochen durch das Kalzium. Generationen an Kindern sind „groß geworden“ mit der Milch. Und jetzt? Es scheint immer mehr Gegner der Milch zu geben und auch neue Studien bringen das Image der Milch ordentlich in Schieflage. So haben Forscher der Universität Uppsala über Jahre hinweg den Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Knochenbrüchen untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass vor allem Frauen, die viel Milch trinken, sogar häufiger an Knochenbrüchen leiden, als Frauen die keine Milch konsumierten. Sogar das Sterberisiko war bei starken Milchtrinkern höher.
Milch begünstigt Eierstockkrebs
Macht also die Dosis das Gift? Ja! Milch hat einige Bestandteile die für das Wachstum eines Kindes durchaus förderlich sein können. Für Erwachsene Menschen ist Milch hingegen – nach dem neusten, unabhängigen, wissenschaftlichen Konsens – sogar eher schädlich. Milch macht bei Erwachsenen die Knochen sogar wieder leicht anfälliger für Knochenbrüche und poröser.
Anders gesagt: Für Säuglinge und vor allem für Kälber ist die Milch ein optimales Wachstumsmittel, für ausgewachsene Menschen macht sie jedoch wenig Sinn. Daher ist Kuhmilch nicht per se schädlich oder ungesund. Milch ist eher unnötig. Doch wieso sieht das die Lebensmittelindustrie ganz anders?
Knochbrüche durch übermäßigen Milchkonsum

Wo unsere deutsche Milch hinfließt...

Hinter dem Geschäft mit der Milch steht eine riesige Produktpalette in so ziemlich jedem Supermarkt der Welt. Für die Herstellung diverser Lebensmittel ist Milch die Grundsubstanz. Offensichtlich gut erkennbar ist der Einsatz von Milch bei Käse, Joghurt oder Quark. Doch Milch steckt in einer fast endlosen Anzahl an Lebensmitteln, wo du es erst auf den zweiten Blick vermuten würdest. So ist Milch natürlich in Brot, Backmischungen, Milchbrötchen, Kuchen, Keksen, Knäckebrot und Kräckern enthalten und taucht hier oft als Milchpulver auf der Zutatenliste auf. Milch bzw. Milchbestandteile sind aber auch in Tiefkühlprodukten, Konserven, Süßigkeiten, Eis, Schokolade, Pralinen und sogar in Wurstkonserven, Brüh- oder Leberwurst enthalten.
Es lässt sich daher kaum von der Hand weisen, dass Milch eine dementsprechend sehr große Bedeutung in der Lebensmittelindustrie hat. Der Wunsch günstig produzieren zu können, macht natürlich auch bei der Milch keinen Halt. Die Lebensmittelindustrie ist daher auf günstige Milchpreise angewiesen.

Nicht immer erkennt man die Milchbestandteile in verarbeiteten Lebensmitteln auf den ersten Blick. Daher haben wir dir hier einen Überblick zusammengetragen. Wenn du einen Blick auf die Zutatenliste von Produkten wirfst, solltest du auf die nachfolgenden Bestandteile ganz besonders achten, wenn du keine Milch konsumieren willst bzw. Tierleid verhindern möchtest: 

Milcheiweiß wird als Bindemittel z.B. in Backwaren genutzt. Allerdings findest du Milcheiweiß auch in Shampoos, Kosmetika und Cremes. 

Zur Herstellung von einem Kilogramm Trockenmilchpulver sind etwa 6 bis 7 Liter Milch erforderlich. Milchpulver wird oft zur Herstellung von Käse, Joghurt sowie Süß- und Backwaren verwendet. Auch in der Schokolade ist Milchpulver enthalten.

Der Milchzucker wird in einer Vielzahl von Produkten verwendet wie z.B. Süßwaren, Säuglingsnahrung, Saucen oder Suppen. Aber auch in vielen Kosmetika und Medikamenten kommt Milchzucker vor. 

Bei Lab handelt es sich um ein Gemisch aus den Enzymen Chymosin und Pepsin. Es kommt vorallem bei der Herstellung von Käse (mit wenigen Ausnahmen wie z.B Ricotta) zum Einsatz. Lab wird aus dem Labmagen saugender Kälber gewonnen.

Milchkosten für Bauern
Bei uns in Deutschland wird erst so richtig seit den 50er bis 60er Jahren Milch getrunken. Doch der Markt ist mittlerweile gesättigt, sowohl der deutsche Markt als auch der gesamte Markt der EU. Das verschweigt nicht mal die Milchindustrie selbst, sondern sie sieht den Milchexport als schlagendes Argument für weiteres Wachstum. Doch zu wessen Kosten? Einige Zeit ging seit den 50ern ins Land und die Milch wurde zum Kulturgut ernannt. Heute, im Jahr 2021 angekommen, exportiert Deutschland die Hälfte seiner produzierten Milchmenge. Ausländische Absatzmärkte spielen, für die deutschen Molkereiprodukte, eine zunehmend größere Rolle. Als einer der wichtigsten Exportgüter innerhalb und ausserhalb der EU gilt der Käse. Außerhalb der EU wird deutscher Käse einmal um den ganzen Planeten verfrachtet und dort günstig verkauft. Länder wie Japan, Südkorea, Saudi-Arabien, Thailand, Indonesien oder Malaysia erhalten Milch und Milchprodukte aus deutschen Kuheutern. Aber wieso?
Der Wohlstand der Schwellenländern wächst und auch die Ernährungsgewohnheiten der Menschen verändern sich. Wenn wir uns das Beispiel China mal ansehen, so merkt man, dass dieses Land jahrtausendelang ganz prima auch ohne Milch zurecht kam. Milch und Milchprodukte spielten in der chinesischen Küche keine Rolle. Im Gegenteil: Der Großteil der Chinesen verträgt überhaupt gar keine Milch! Doch was war passiert?
In den 90er Jahren setzte in China ein regelrechter Milchboom ein, der politisch gesteuert und gewollt war. So sagte zum Beispiel der ehemalige Premierminister We Jiabao, dass er an den Traum glaubte, dass jedes chinesische Kind täglich einen halben Liter Milch zum trinken bekäme. Doch wieso? Der Grund – vielmehr der Wunschgedanke – dahinter, lag an der eher westlichen Orientierung und dem Glaube, dass Kinder durch die Milch größer und fitter werden würden. Den Wunsch nach mehr Körpergröße haben übrigens viele Chinesen. Deshalb ist es für die Chinesen, vor allem wohlhabende Chinesen, auch in Ordnung, dass sie im Grunde ihre Laktoseintoleranz austricksen müssen, indem sie auf eine Art Gewöhnungseffekt setzen, indem sie nicht zu viel Milch auf einmal trinken.

Kurios wird es allerdings, wenn wir uns den Preis pro Liter Milch genauer ansehen. Es gibt Länder, in denen die Deutschen ihre Milchprodukte hin verkaufen und den dort einheimischen, ansässigen Markt zerstören. Unser Preisdumping ist zum Beispiel für einen Senegalesen nicht zu unterbieten und so kann es durchaus vorkommen, dass der Preis pro Liter Milch in Deutschland nur die Hälfte für den Bauern einbringt, während im Senegal für den doppelten Preis produziert wird. Angebot und Nachfrage regulieren eben nicht nur im positiven Sinne den Preis und erst recht nicht zugunsten von Tieren oder Menschen. Die Dokumentation „Das System Milch“* möchten wir dir an dieser Stelle sehr ans Herz legen, denn hier wird dieses Dilemma noch einmal genauer beschrieben. 

Wieso wir für billige Milch gleich mehrmals bezahlen...

Es gibt böse Zungen die behaupten, dass Milch gar nicht mehr ohne Subventionen bzw. EU-Zuschüsse kostendeckend produziert werden kann. Zuerst muss man allerdings verstehen von wo das Geld herkommt und in welche Richtung es fließt. Agrar-Subventionen sind im Haushalt der EU-Subventionen das größte Stück der Torte. Die EU fördert mit den Agrar-Subventionen natürlich auch Milchbauern. Ganz generell sind Subventionen aber nicht negativ zu bewerten, sondern sie dienen eigentlich als Lenkungsinstrument, um eben auch politisch Einfluss nehmen zu können. Mit Subventionen können zum Beispiel ökologisch sinnvolle Produkte, Bio-Anbau oder auch der faire Handel begünstigt werden. Doch diese Art der „Lenkung“ zahlt im Beispiel der Milch vielmehr in die Kassen der Milchindustrie ein, was sehr deutlich beim Mehrwertsteuersatz wird.
Für Lebensmittel in Deutschland gilt ein Mehrwertsteuersatz von 7 % und für Genussmittel 19 %. Die Definition was als Genuss- bzw. Lebensmittel geführt wird, ist Kern des Problems. So wird Kuhmilch als Lebensmittel deklariert, Milchalternativen wie z.B. Hafer- oder Sojamilch gelten als Genussmittel und es wird ein 19 % Mehrwertsteuersatz hierauf erhoben.
Der Markt lässt sich so also lenken – aber ist es die richtige Richtung? 

Pflanzliche Milch steuerlich benachteiligt

Die Umwelt und die Tiere zahlen den höchsten Preis!

Wie wahrscheinlich beim Trinken der Milch selbst, so ist auch bei der Gülle – die Menge das Gift. Und das ist beim Thema Gülle sogar recht wörtlich zu nehmen. Denn der natürliche Dünger ist in diesen Massen eher umweltschädlich anstatt nützlich. Durch die steigende Anzahl der Tiere und der zugekauften Menge an Futtermittel pro Hof, entsteht viel mehr Gülle als der Bauer Fläche zur Verfügung hat und der Boden letztendlich aufnehmen kann. Das führt dazu, das manche Landkreise unter der Güllelast zu kämpfen haben und eine extreme Überdüngung des Bodens somit nicht ausbleibt. Etwas bildlicher kannst du es dir mit deinen eigenen Pflanzen zuhause vorstellen: Regelmäßiges Düngen nach Anleitung macht durchaus Sinn und tut deinen Pflanzen gut. Solltest du aber den Dünger komplett einer Pflanze zuführen und dann auch noch alles auf ein Mal, ist es verständlich, dass sie an den übermäßigen Nährstoffen eingeht. Die Überdüngung unserer Böden belastet aber nicht nur den Boden selbst, sondern auch das Grundwasser. Die Folgen davon sind erhöhte Nitratwerte im Trinkwasser, welches in vielen Teilen Deutschlands aufwendig aufbereitet werden muss. Auch diese Kosten trägt der Steuerzahler. 

Problematisch ist Nitrat wenn es zu Nitrit umgewandelt wird, denn dies begünstig laut Wissenschaft die Entstehung von Krebs. Aber auch andere Stoffe wie Ammoniak, Stickstoff und auch Lachgas sind Bestandteile der Gülle, die zwar schleichende Umweltsünden sind, aber unsere Böden nachhaltig verändern und verderben. Im Film „Das System Milch*“ kommt ein Bauer zu Wort der davon spricht, dass für einen Liter Milch etwa drei Liter Gülle entsteht. Eine Kuh gibt im Durchschnitt ca. 28 Liter Milch am Tag. Hochrechnungen darfst du selbst vornehmen, es wird dich aber traurig stimmen.

Ein Liter Milch produziert 3 Kg Gülle

Höher, schneller, weiter und billiger!

COPA-COGECA ist die einflussreichste europäische Lobbyorganisation im Agrarbereich und versteht sich selbst als Bindeglied zwischen der EU und der heimischen Landwirtschaft. Diese Organisation ist zum großen Teil dafür verantwortlich, dass die meisten Europäer die Milch so wahrnehmen, wie wir sie aus Werbespots aus den 80ern noch kennen. „Milch macht müde Männer munter“ wurde dort gesagt. Das Image wurde so richtig aufpoliert, sogar sogenannte „Schulmilchprogramme“ wurden umgesetzt und die Natürlichkeit, zur Aufnahme der Muttermilch eines anderen Lebewesens, in unseren Köpfen impliziert. Wir würden den großen Molkereien wie Arla und Friesland Campina sicher misstrauen, wenn sie ihr (Milch-)Produkt auf diese Art und Weise an die Frau, den Mann oder das Kind bringen würden. Doch die gesellschaftliche Akzeptanz und das nie hinterfragte Vertrauen, wurde nicht von Molkereien erarbeitet sondern von Lobbyverbänden wie der COPA-COGECA.

Das aber selbst die Bauern unter ihrem eigenen Bauernverband zu leiden haben, wird deutlich wenn man sieht wohin die Landwirtschaft, speziell bei der Milchkuhhaltung, getrieben wurde. Es gibt immer weniger Molkereien die ihre schon fast monopolähnliche Stellung ausnutzen und die Bauern zum Preisdumping zwingen. Es gibt – kein Witz – immer mehr Bauern die durch die Gülle (Biogas) fast mehr Geld verdienen als durch die eigene Milch. Die Produktion der Milch ist nur noch wirtschaftlich mit teuren Melkmaschinen, Robotertechnik (es gibt sogar eine Art Saugroboter der die Gülle der Tiere aus dem Stall schiebt) und einer immer größer werdenden Anzahl von Tieren. Es scheint nur noch zwei Möglichkeiten zu geben: Der Betrieb spielt das Spiel mit oder muss eigene Vermarktungsmöglichkeiten umsetzen, um langfristig überleben zu können.

Der Bauernverband verteidigt diesen „Status quo“ und setzt die Existenz gerade von kleinen und mittleren Familienbetrieben damit aufs Spiel. 

Melkroboter Melkmaschinen

Was bleibt ist die Frage: Wer profitiert von der deutschen, billigen Milch? Die Konsumenten? Nein, denn durch Subventionen und auch durch die langfristigen Schäden der Umwelt, zahlt jeder von uns an dieser Industrie doppelt und dreifach mit.
Profitiert der Milchbauer von den billigen Milchpreisen? Natürlich nicht. Die Entwicklung hat Bauern entweder hin zu industriellen Milchfabriken getrieben oder sie sind bereits daran zerbrochen. Die Profiteure hinter dem System Milch sind die großen Molkerei- und Lebensmittelunternehmen wie Nestle (Schweiz), Dairy Farmers of America (USA), Danone (Frankreich), Friesland Campina (Niederlande), Arla Foods (Dänemark) oder Unilever (Niederlande). Denn egal woher die Milch auch stammt, der größte Anteil fließt genau diesen Unternehmen zu. Und sie nehmen beides gerne: Milch und Geld.

Ein entscheidendes Thema fehlt dir hier? Klar haben wir die Tiere nicht vergessen. Im Gegenteil! Wir widmen der Milchkuh einen extra Beitrag. 

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