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Pflanzliche Alternativen boomen!?

Sind pflanzliche Alternativen sinnvoll?

Zahlen und Fakten

Völlig fleischfrei ernähren sich weltweit über eine Milliarde Menschen. In Deutschland leben rund acht Millionen vegetarisch und 1,3 Millionen vegan. Ist das viel? Ist das gut? Rund jeder vierte Deutsche isst hingegen täglich Fleisch und weit aus mehr Menschen konsumieren tierische Lebensmittel in Form von Milch, Eier oder Honig. Das Geschäft mit der tierischen Ware boomt leider viel mehr. Im Beispiel von Schweinefleisch ist das Desaster sehr gut zu erklären: Während wir an unsere unmittelbaren Nachbarländer immer weniger Schweinefleisch exportieren und auch wir Deutschen selbst weniger Schweinefleisch essen, stieg die Nachfrage zum Beispiel in China plötzlich exorbitant an. Wir produzieren daher mehr Fleisch als je zuvor und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar! Genaue Zahlen sind hier nachzulesen.

Doch auch die pflanzlichen Alternativen boomen! Kleiner Boom halt 🙂 Wie kann das sein? Während in vielen Teilen Asiens – allen voran China – ein direkter Wandel hin zu Fleisch vollzogen wurde (1961 Pro-Kopf 3,6 kg Fleisch, 2002 pro-Kopf 52 kg Fleisch, Beispiel: China), ist es in vielen europäischen Ländern zu leichten Rückläufen gekommen. Hier kam der Nischenmarkt der pflanzlichen Alternativen zum Tragen. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel hat im Jahr 2018 die Milliardengrenze überschritten und konnte mit rein vegetarischen bzw. veganen Produkten rund 1,1 Milliarden Euro umsetzen. Hört sich viel an, was? Das wachsenden Produktsortiment an veganen und vegetarischen Produkten ist natürlich erfreulich. Was vor wenigen Jahren nur in wenigen Bioläden zu finden war oder man nur online in speziellen Onlineshops bekommen konnte, ist heute überall zugänglich. Fleisch- und Wurstalternativen verzeichnen ein stetig, wachsendes Umsatzplus. Nicht alles schmeckt, keine Frage. Aber die Produkte werden fortlaufend optimiert und weiterentwickelt. Die pflanzlichen Rohstoffe wie Lupinen, Soja oder Erbsenprotein haben als Grundstoff genügend Spielraum für weitere Produktvielfalt. Und auch völlig neue Produkte entstehen. Gewonnen aus pflanzlichen Proteinen und sogar entwickelt im Labor. Was jetzt gerade als Fleisch- Wurst- Käse- Milch- oder Ei-Alternative alles auf den Markt gebracht wird, ist nicht mehr zu überschauen. Doch braucht man das alles? Und brauchst du unbedingt ein Ersatzprodukt? 

Nie endend wollende Diskussionen werden hier geführt: Muss man als Vegetarier oder Veganer wirklich Fleischersatz essen? Statt Steak täte es auch ein Pilzrisotto oder statt einem Schweineschnitzel einfach eines aus Sellerie. Und ist es nicht ganz generell verwerflich, dass gerade die großen Lebensmittelkonzerne und Schlachtbetriebe wie Nestle, Tönnies oder Wiesenhof an diesem neuen fleischfreien Trend mitverdienen? 

vegane-produkte-sind-trend

Was ist das Problem mit den Fleischersatzprodukten?

Das mediale Interesse an fleischfreien, veganen oder vegetarischen „Ersatzprodukten“ steigt täglich an. Ökotest warnte ihre Leser vor den Fleischersatzprodukten und schlug Alarm. Zu viel Salz und Fett seien enthalten und auch generell werde alles zu sehr überwürzt. 

Dass fleischfreie Lebensmittel oft überwürzt sind, ist bereits seit längerer Zeit bekannt. Sie werden meist mit Zusätzen versehen, um in Aussehen und Geschmack fleischhaltigen Produkten zu ähneln.

Zitat: STERN, 26. Mai 2016

Ja es stimmt und viele Fleischersatzprodukte müssen weiterhin optimiert werden. Doch was ist der Umkehrschluss? Also doch mehr Gemüse und Obst essen oder ganz schnell wieder zum Fleisch und der Wurst greifen? Wer nun nach Zusatzstoffen für seine Lieblingswurst googelt wird schnell enttäuscht sein. Eine unaufgeregte Aufstellung was so alles in der Wurst drin ist oder drin sein darf, findest du zum Beispiel hier

Was ist also besser? Wurst oder Wurstersatz? Fleisch oder Fleischersatz?

Die allermeisten Zusatzstoffe die zur Herstellung von Wurst genutzt werden, sind Zusatzstoffe um die Stabilität und Qualität der Ware zu gewährleisten. Also um die Wurst haltbarer und auch vom Aussehen her ansprechender zu machen. Wirklich natürlich sind Würste vom Aussehen her grau und geschmacklich – ohne die richtige Würzmischung – absolut nichtssagend. Können wir also davon ausgehen, dass auch Fleisch und Wurst nur in gepimpter Version auf den Tellern landet? Logisch! 

Sind die Fleischalternativen also notwendig? Ja. Wieso? Weil eben nicht jeder auf den (Fleisch-)Geschmack verzichten will und es viele Menschen gibt die sich mit einer Ernährungsumstelltung hierzu sehr schwer tun. Auch würden wir es mehr als begrüßen, wenn auch Mischköstler darin zumindest eine Alternative zum (täglichen) Fleischkonsum sehen würden. Ungebändigt ist die Lust auf Fleisch bei uns Deutschen sehr groß. Egal ob Gesundheitsgefahren, Umweltprobleme, Tierleid oder auch Lebensmittelskandale in unser Bewusstsein eintröpfeln, für den größten Teil unserer Mitmenschen reicht dies nicht aus, um auf den geliebten fleischigen Geschmack zu verzichten. Wenn wir also unseren Fleischkonsum reduzieren wollen, ist eine geringe Hemmschwelle etwa Neues auszuprobieren, absolut wichtig. Völlig egal in welcher Form. Auch wenn es der Optik von Wurst oder Fleisch haben soll.  Daher sollten wir die pflanzlichen Alternativen nicht verteufeln, sondern weiter ernährungsphysiologisch optimieren und vorantreiben. Denn sie bergen viel mehr Chancen als Gefahren. 

Herkunft Fleisch

Wird der Trend für vegane oder vegetarische Produkte weiterhin fortgesetzt?

Ist der Trend bald vorbei und der Markt schon längst gesättigt? Es liegt einzig und alleine an uns als Verbraucher. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und ein kurzweiliger Hype ist oft kontraproduktiv. Doch als schnellen Trend ist die Gesamtentwicklung nicht mehr zu beurteilen. Zwar sind die 100 %ig fleischfreien, lebenden Deutschen immer noch im einstelligen Prozentbereich, doch sie werden täglich mehr. Ein Rückgang von fleischfrei, lebenden Menschen ist aktuell nicht zu verzeichnen. Doch der Lebensmittelmarkt interessiert sich speziell auch für die Menschen, die eben nicht täglich Fleisch konsumieren möchten und hier nach Alternativen Ausschau halten. Die Flexitarier sind letztendlich mit „Schuld“ an der hohen Anzahl der Produkteinführungen von vegetarischen oder veganen Alternativen der letzten Jahre. Hier witterten Konzerne das größeste Geschäft. Auch – oder gerade weil – dieser Markt bisher noch ein Nischenmarkt ist. Und so ist es auch eine natürliche Konsequenz, dass eben große Konzerne zuerst den Schalter umlegen konnten, durch gezielte Warenplatzierung und Werbung auf sich aufmerksam zu machen, obwohl eine große Produktpalette an bereits etablierten Alternativen schon lange Zeit auf dem Markt war (Beispiel Wheaty). Allerdings waren die ersten guten Produkte eher auf dem Onlinemarkt bzw in ausgewählten Bioläden verfügbar.

So sind die global Player wie zum Beispiel der Weltkonzern Nestle, für den Einen schwer zu ertragen und für den Anderen ein strategischer Durchbruch für geballtes, mediales Interesse. Burgerpattys für Veganer oder Vegetarier gab es bereits seit langer Zeit auf dem Markt, doch gerade die großen Fast Food Ketten, brachten erst die allgemeine Diskussion ins rollen. Das große Lebensmittelkonzerne und auch Fleischhersteller sich für diese fleischfreie Entwicklung absichern, ist zwar verständlich aber auch schwierig zu beurteilen und bedarf einer persönlichen Abwägung. Will man dies unterstützen? Soll man dies unterstützen? Wie siehst du das? 

Woman doing grocery shopping at the supermarket and reading food labels, nutrition and quality concept

Plötzlich überzeugt oder einfach nur gierig nach Profit?

Sollte die Tendenz weg von Fleisch weiterhin ungebrochen voranschreiten, ist es verständlich, das gerade große Konzerne und Fleischhersteller sich absichern möchten. Keiner verliert gerne Marktanteile. Deswegen wird neben den bereits etablierten Produkten auch in neue Konzepte und Ideen investiert. Leider mit dem Geld des Tierleids. Peter Wesjohann hat zum Beispiel in mehrere Start-Ups investiert um vermarktbare Alternativen zum konventionellen Fleisch zu entwickeln. Auch für einen vegetarischen Ei-Ersatz investierte er viel Geld. Herr Wesjohann ist Inhaber einer der größten, deutschen Geflügelhersteller. Seine Firma Wiesenhof stand bereits mehrfach in der Kritik. 

Greenwashing Definition

Es nimmt den Anschein das im Moment jedes Produkt mit grünen Siegeln ausgestattet wird. Viele Verbraucher verstehen unter dem Wort „vegan“ auch zum Beispiel im Kosmetikbereich mehr natürliche Zusatzstoffe, Nachhaltigkeit und Fairness. Aber egal über welches Produktsegment man spricht, ein Greenwashing gibt es fast überall. Greenwashing ist das Bestreben eines Unternehmens sich möglichst nachhaltig und ökologisch darzustellen. Auch die Fleischindustrie tut dies. Mit Erfolg.

Wer oder was hinter oder in einem Lebensmittel steckt, ist nicht immer leicht herauszufinden. Pflanzliche Alternativen gibt es bereits von vielen Lebensmittelhändlern als günstige(re) Eigenmarke. Wer dahinter steckt und für die Händler produziert? Es bleibt oft ein Geheimnis. So hat der Chef von Wiesenhof Herr Wesjohann sich zusätzlich die Vertriebsrechte für die Marke „Beyond Meat“ gesichert und verdient damit nun ordentlich Geld. Der Weltkonzern Nestle warf nur wenige Tage später das konkurrierende Produkt „Incredible Burger“ auf den Markt. Nun kämpfen zwei Riesen auf einem Nischenmarkt um die Gunst der fleischlosen Burger-Pattys. Dicht gefolgt von Lidl und Aldi, die ebenso nur wenige Wochen darauf jeweils eigene Pattys, unter ihrer Eigenmarke, auf den Markt brachten. Geht es also um die Entwicklung von pflanzlichen Alternativen oder um den Kampf von Marktanteilen im Verdrängungswettbewerb der Lebensmittelgiganten?

Herr Tönnies von der Marke Gutfried hingegen hat sein Abenteuer „vegetarische Wurstalternativen“ bereits wieder begraben. Zwar wurde der Firmenchef dazu ermuntert in diesen fleischfreien Markt zu investieren aber Tönnies sieht den Markt bereits als gesättigt. Vielleicht lag es aber auch an seiner Einstellung? Der Coup des riesigen Fleischproduzenten war eben keiner und das hier nur Geld verdient werden sollte war damit eindeutig bewiesen. Tönnies sagte selbst: „Es hat mir nicht geschmeckt“ und „wenn in Zukunft eine Anfrage für eine Verkostung von Veggie-Wurst kommt, habe ich keine Zeit – und zwar unabhängig davon, wann der Termin stattfinden soll.“

Wir als Konsumenten tragen erheblich zum Wandel bei und wir entscheiden jeden Tag welcher Markt wächst. Es bleibt spannend. 

Wie leben Hühner?

Kurz und schmerzlos: Es gibt glückliche Hühner vielleicht noch in Privatbesitz aber für die industrielle Tierhaltung sind Hühner nicht weiteres als reine Kapitalerbringer.
Die Fortschritte weg von der Massentierhaltung sind bisher leider minimal, obwohl man sich gegenseitig sehr gerne auf die Schulter klopft und auch der Konsument sein Gewissen durch den Kauf von Freiland- oder Bioeiern sehr gerne bereinigt.

Ernährungstypen – welche gibt es?

Wenn es um das Thema Ernährung geht, werden schnell eigene Betrachtungsweisen, halbgare Fakten und Zahlen herangezogen.
Jeder kennt doch jemanden der “sich da gut auskennt”, einen (Ernährungs-)Experten sozusagen.
Die eigenen Essgewohnheiten werden leider oft nicht reflektiert, ganz im Gegenteil, im Gespräch wird häufig vehement die eigene Philosophie vertreten und keine zweite Meinung geduldet.

Mehr als nur ein Trend...

Der zuerst belächelte Trend hat sich mittlerweile durchgesetzt.
Obwohl selbstverständlich die Vorurteile hartnäckig bestehen bleiben.
Wer sich für eine pflanzliche Ernährung entscheidet muss nicht verzichten, sondern nur seine Ernährungsgewohnheiten ein wenig umstellen. So lernt man stetig Neues dazu und blickt, im wahrsten Sinne des Wortes, oft über den eigenen Tellerrand hinaus.